«Sieht besoffen aus»

Richtig angezogen Der Massschneider Ziad El-Achi über Krawatten, Konjunktur und Kapuzenpullis – und das Schuhproblem der Schweizer Männer.


Wir haben Ihnen ein Sprichwort mitgebracht:

«When in doubt, overdress.» Stimmen Sie Coco Chanel zu?

Ziad El-Achi:Ein schöner Ausspruch. Aber es kommt auf die Situation an. Ein IT-Supporter, der im dreiteiligen Nadelstreifenanzug daherkommt – das wäre wohl stark übertrieben. Und an einer Hochzeit sollten männliche wie weibliche Gäste darauf achten, nicht besser gekleidet zu sein als das Brautpaar. Aber in aller Regel ist es bestimmt keine schlechte Idee, einen Tick besser gekleidet zu sein als sein Gegenüber. Auch, um seiner Wertschätzung Ausdruck zu verleihen.


Gilt das auch für Berufe ausserhalb der Banken-, Anwalts- und Versicherungswelt?

Im Grunde ja. Wobei es auch auf die professionelle Situation ankommt. Von einem Fotografen erwarte ich, dass er die neueste Technik dabei und im Griff hat. Im Zweireiher-Veston muss er dazu aber nicht antanzen. Mein Motto lautet: «Stylen ja, verkleiden nein.» Mit der Kleidung sorgt man für den ersten Eindruck. Und der ist sehr kurz. Er dauert so lange, wie das Gegenüber «Wow!» denken kann. Oder «Oh mein Gott!».



„Passende Schuhe kosten rund 20 Prozent des Anzugspreises.“


Was trägt der Staranwalt beim ersten Besuch des neuen Topmandanten, damit dieser «Wow!» denkt?

Hier spielt das Thema Wertschätzung eine absolut wichtige Rolle. Der Anzug des Staranwalts soll mindestens das Fünffache seines Stundenhonorars kosten.


Was kostet es, sich von Ihnen einen Anzug nach Mass anfertigen zu lassen?

Wir beginnen in aller Regel mit einem zweiteiligen Anzug ab 1800 Franken. Ich nenne das den Sechszylinder, also etwa den 5er-BMW. Der Vollmassanzug, der Achtzylinder, beginnt bei 2500 Franken; bei diesem Verfahren werden zusätzliche Zwischenproben am halbfertigen Anzug vorgenommen. Natürlich sind die Preise von der Stoffqualität abhängig.


Kleidet sich die Generation Y auch so edel?

Wenn junge Leute die Möglichkeit haben, kleiden sie sich gerne klassisch. Wobei das auch Erziehungssache ist. Wenn im Elternhaus Schuhe gepflegt, geputzt und poliert werden, wenn Begriffe wie Massanzug oder Schneider im Umlauf sind, dann kann etwas nachwachsen.


Die Männer, die die Welt vorwärtsbringen, tragen heute Kapuzenpullover – nicht Masshemden.

Das mag für gewisse Technologiefirmen stimmen. Aber ein Banker oder ein Anwalt darf im Berufsleben nie wie ein Facebook-Entwickler aussehen. Nie. Was übrigens trug Mister Zuckerberg, als er kürzlich an der Harvard-Universität eine Rede hielt?


Einen Nadelstreifen-Hoodie?

Falsch: Anzug und Krawatte. Das zeigt doch: Im beruflichen Umfeld ist der Binder immer noch unumgänglich. Viele Männer glauben, sie machten durch das Nichttragen der Krawatte ein Statement. Aber das ist es nicht. Es ist reine Faulheit.






Was kostete der teuerste Anzug, den Sie je in Rechnung stellten?

13 000 Euro – der Maybach.


Vermuten wir richtig, dass bei diesen Preisen die Schuhe inbegriffen sind?

Da vermuten Sie falsch. Für passende Schuhe, meine Faustregel, sind noch einmal rund 20 Prozent des Anzugpreises einzusetzen.


Wenn ein Mann